Dienstag, 28. August 2018

CHILI - zwischen Schmerz und Euphorie


....oder über die euphorisierende Wirkung scharfer Gewürze

Den Kick werde ich so schnell nicht vergessen, ein Indisches Gericht: CHICKEN CHETTINAD versetzte mich in Kombination mit französischem Champagner in Euphorie. Ich war total high! Plötzlich sah ich Farben...dieses Blau am Himmel...dieses Grün der Bäume...die Musik war lauter, alles leuchtete.... Nö, nö, der Champagner allein war es nicht, denn ich hatte nur ein Gläschen - die Droge* musste in den Gewürzen stecken!

*)Das Wort Droge stammt ursprünglich aus dem niederländischen Wort Droog für Trocken und bezeichnet in der Apothekersprache generell getrocknete Pflanzenteile, auch Arzneidrogen genannt.



Chili als Aphrodisiakum?

In 3sat sah ich kürzlich eine Doku über die aphrodisierende Wirkung von Chili & Co... und ja klar! Chili und Kardamom, das waren wohl die beiden Wohltäter, die zusammen mit dem Champagner für den Kick sorgten. Beide in den arabischen, indischen und südamerikanischen Kulturen altbekannte Aphrodisiaka mit durchblutungssteigernder und damit euphorisierender Wirkung. Die Bubbles im Champagner machten den Rest, indem sie noch zusätzlich für "leichtes" Blut sorgten.





Chili und die Alkaloide

Okay, nicht nur als Botanikerin ist mir bekannt, dass Chili Capsaicin enthält. Es handelt sich um ein Alkaloid, das durch seine Wirkung auf bestimmte Rezeptoren - wie die Geschmackspapillen - einen Hitze- oder Schärfereiz auslöst. Es stimuliert die Verdauung und die Blutzirkulation. 

It makes you hot! 

Das dadurch ausgelöste Schwitzen hat in der Folge kühlende Wirkung auf den Körper. Und als wunderbarer Nebeneffekt werden dabei auch viele Bakterien und andere Mikroorganismen abgetötet. Kein Wunder, dass Chili in heißen Ländern so beliebt ist. Übrigens sind die Kids in den "Chili-Ländern" die Schärfe von klein auf gewöhnt, denn sie bekommen keine milden Breichen, sondern das gleiche Essen wie die Erwachsenen. Und das kann eben auch scharfen Chili enthalten.

Neben Dead Heads (die alten Hippie Anhänger der Band Grateful Dead) gibts jetzt Chili Heads. Leute, die auf den Chili Kick stehen. Sie haben eine ausführliche und informative Internetseite rund um den.. die.. das Chili erstellt, hier ein Auszug aus ihrer Seite:
"Menschen suchten schon immer Pflanzenwirkstoffe mit bewusstseinserweiternden Eigenschaften. Chilli- Pepper ist solch eine psychotrope Pflanze, denn sie zieht die Aufmerksamkeit von Gewohnheitsmustern des Denkens und der Vorstellung ab, um sie auf eine plötzliche Empfindung- scharf und beißend- zu lenken. Während man für einen Moment die Alltagsrealität vergisst, erwächst eine intensive Wahrnehmung von Wärme und Nahrung in der Mundhöhle. Das Hirnzentrum, das auf die Nervenreizung des Alkaloids Capsaicin reagiert, ist dasselbe welches für Glücksgefühle zuständig ist. Man könnte von einem Belohnungskern sprechen, wobei es egal ist, ob dieser psychisch oder chemisch ( z.B. durch Drogen) angesprochen wird. Ist die Schärfeempfindung abgeklungen, stellt sich deshalb nicht nur schmerzdämpfende Entspannung ein, sondern sogar leichte Euphorie. Nach dem Verzehr solcher Chiligerichte, die einem das Wasser aus Nase und Augen treiben, ist man entspannt und leicht angeheitert. Die “brennenden” Zunge, wird vom Körper als Schmerz wahrgenommen, er reagiert mit einer Ausschüttung von Endorphinen ( körpereigene Hormone), welche ein Wohlgefühl auslösen und Schmerzen killen (ähnlich dem Morphium). Deshalb kann man Hot -Peppers unterstützend gegen leichte Depressionen einsetzen."
Doch Capsaicin ist eben auch ein Alkaloid wie das Coffein, das Nikotin, das Cocain, das Morphin, das Mescalin..Colchizin, Atropin...weiter? Nein, ich denke das reicht. In kleinen Dosen können sie im wahrsten Sinne des Wortes eine "Tolle" Wirkung haben, können aber auch sehr leicht gefährlich werden. Vor allem, wenn man sich mit der Wirkung der Alkaloide nicht auskennt oder der richtigen Dosis. Allen Alkaloiden wohnt auch immer ein Suchtpotential inne, weil es zur Toleranzbildung kommt. Leider. Durch den Gewöhnungseffekt will man es immer mehr, immer schärfer, immer heißer..
"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei", sagte schon der alte Paracelus.
Zum Einen sind sie psychogene Substanzen, die auf den Gehirnstoffwechsel wirken und zur Ausschüttung von Endorphinen sorgen. Zur Beruhigung sei gesagt, Capsaicin hat eine vergleichsweise harmlose Wirkung im Vergleich zu den anderen bekannteren Halluzinogenen. Dazu ist es wohl auch die durchblutungsfördernde, sogenannte "blutverdünnende" Wirkung, die stimmungsaufhellend wirkt und einen Leicht werden lässt. Und nicht zu vergessen, sorgt für die Leichtigkeit auch der Schmerz! Vor allem, wenn er nachlässt... ;-)

Dazu wichtig ist auch der Duft, das Aroma, das direkt von der Nase ins Hirn steigt. Und das Wohlbefinden auslöst. Die Entspannung durch ein gutes Essen, die Stimmung.....

Und so war es wohl auch bei mir. Es war ein toller Effekt! Sozusagen ein Schlüsselerlebnis. Und auch der Grund, warum ich die Indische Küche so liebe.

Zum Schluss noch ein Bild von meiner Glockenchili im Garten. Der Jahrhundertsommer 2018 mit seiner Hitze und Trockenheit war wahrhaftig ein Chilijahr!


















































































































- und was steckt im Kardamom?







Kardamom - Ätherische Öle

Ich lese, Kardamom (lat. Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). In der Küche werden die getrockneten Fruchtkapseln verwendet. Es gibt den Grünen Kardamom und den weniger gebräuchlichen Schwarzen Kardamom (lat. Amomum subulatum). Die Kapseln des Grünen Kardamom haben einen zitronenartigen blumigen Geschmack mit einem Hauch von Kampfer und Eukalyptus. Für das Aroma ist ein ätherisches Öl verantwortlich, das aus über 120 Verbindungen besteht. Es verfliegt leicht, weshalb die Kapseln erst kurz vor der Zubereitung im Mörser leicht zerdrückt werden. Das Gewürz ist Hauptbestandteil indischer Masalas, Kormas und Curries. Interessanterweise aber auch in guten Lebkuchen und Spekulatius enthalten. Mmmh, da steigt das Glücksgefühl bei der Erinnerung an diesen Weihnachtsduft...

In arabischen Ländern wird ihm aphrodisierende Wirkung bescheinigt und gerne eine Kardamom Kapsel zum Mokka gereicht. Die Beduinen präsentieren ihren Gästen als Zeichen des Respekts vorher den Kardamom in all seiner Frische.




Woher kommt nun die aphrodisierende oder euphorisierende Wirkung?








Wie so oft: Die Kombination machts. Und die Dosis erst das Gift (frei nach Paracelsus).




Wie im Wein, so auch in der Pflanzenheilkunde: es ist nie ein einzelner Wirkstoff, sondern eine Kombination aus vielen Stoffen. Deshalb auch nur schwer zu isolieren oder gar künstlich herzustellen. So richtig weiß man's nicht in der Wissenschaft, so richtig erforscht ist es nicht....aber es wirkt! Und das schon über Jahrtausende.

Und es ist immer wieder schön, dass die Natur noch so ihre Geheimnisse hat.

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