CHILI bei HITZE und ein CHICKEN CHETTINAD

Tulpenchili aus meinem Garten  Foto: Ute Mangold

Chili - "it makes you hot"....oder über die euphorisierende Wirkung scharfer Gewürze

Den Kick werde ich so schnell nicht vergessen - ein Indisches Gericht versetzte mich in Euphorie. Es war ein CHICKEN CHETTINAD. Plötzlich spürte ich alles intensiver...dieses Blau am Himmel...dieses Grün der Bäume...die Musik war lauter, alles leuchtete. War es der Champagner dazu? Nein, der allein kann es nicht gewesen sein, denn ich hatte nur ein Gläschen - die Droge* musste woanders drin sein. 
*)Das Wort Droge stammt ursprünglich aus dem niederländischen Wort Droog für Trocken und bezeichnet in der Apothekersprache generell getrocknete Pflanzenteile, auch Arzneidrogen genannt.


Chili als Aphrodisiakum?

In 3sat sah ich eine Doku über die aphrodisierende Wirkung von Chili & Co... und ja klar! Chili und Kardamom, das waren wohl die beiden ÜbelWohltäter, die zusammen mit dem Champagner für den Kick sorgten. Beide in den arabischen, indischen und südamerikanischen Kulturen altbekannte Aphrodisiaka mit durchblutungssteigernder und damit euphorisierender Wirkung. Die Bubbles im Champagner machten den Rest, indem sie noch zusätzlich für "leichtes" Blut sorgten.


Chili und die Alkaloide

Okay, Chili enthält Capsaicin. Ein Alkaloid, das durch seine Wirkung auf bestimmte Rezeptoren - wie die Geschmackspapillen - einen Hitze- oder Schärfereiz auslöst. Doch "scharf" ist keine Geschmacksempfindung, sondern ein Schmerz! Stimuliert wird zugleich die Verdauung und die Blutzirkulation. (Siehe auch Die 5 schärfsten Chilisorten der Welt.)

It makes you hot! 

Das dadurch ausgelöste Schwitzen hat in der Folge kühlende Wirkung auf den Körper. Und als wunderbarer Nebeneffekt werden dabei auch schädliche Bakterien und Mikroorganismen abgetötet. Kein Wunder, dass Chili in heißen Ländern so beliebt ist. Übrigens sind die Kids in den "Chili-Ländern" die Schärfe von klein auf gewöhnt, denn sie bekommen keine milden Breichen, sondern das gleiche Essen wie die Erwachsenen. Und das kann eben auch scharfen Chili enthalten.

And cools you down 

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop erklärt im Focus Gesundheits Ratgeber im August 2012- Warum man bei Hitze scharf essen sollte: „Chili wirkt auf die Hitzerezeptoren im Mund.“ Das in den dockt im Mund an Rezeptoren an, die dem Gehirn melden, dass eine Hitzequelle im Mund ist. Wer Chili isst, hat also zunächst das Gefühl, ihm wäre heiß. Tatsächlich hat die Schote allerdings einen gegenteiligen Effekt, wie Knop erklärt: „Wenn wir Chili zu uns nehmen, setzen wir eine Kühlreaktion des Körpers auf die Phantomhitze in Gang.“ Denn auf das Signal „Hitze“ reagiert der Körper, indem er Schweiß produziert. Dieser kühlt den Körper ab.

Capsaicin 

Der Inhaltsstoff gehört zu den Alkaloiden, wie Coffein, Nikotin, die Drogen Cocain, Morphin, Mescalin, oder das tödliche Colchizin und Atropin. Weiter? Nein, ich denke das reicht. In kleinen Dosen können sie im wahrsten Sinne des Wortes eine "Tolle" Wirkung haben, können aber auch sehr leicht gefährlich werden. Vor allem, wenn man sich mit der Wirkung der Alkaloide nicht auskennt oder der richtigen Dosis. Allen Alkaloiden wohnt auch immer ein Suchtpotential inne, weil es zur Toleranzbildung kommt. Durch den Gewöhnungseffekt will man es immer mehr, immer schärfer, immer heißer..

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift;
allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei",
so sagte schon Paracelus.

Somit gehört Capsaicin weitläufig zu den psychogenen Substanzen, die auf den Gehirnstoffwechsel wirken und zur Ausschüttung von Endorphinen sorgen. Doch zur Beruhigung sei gesagt, Capsaicin hat eine vergleichsweise harmlose Wirkung im Vergleich zu den anderen oben genannten Halluzinogenen. Dazu ist es wohl auch die durchblutungsfördernde, sogenannte "blutverdünnende" Wirkung, die stimmungs-aufhellend wirkt und für ein Gefühl der Leichtigkeit sorgt. Und dafür sorgt auch der Schmerz! Vor allem, wenn er nachlässt...

Und nicht zu vergessen, auch der Duft, das Aroma, das direkt von der Nase ins Hirn steigt, löst Wohlbefinden aus. Die Entspannung durch ein gutes Essen, die Stimmung. Und so war es wohl auch bei mir. Es war ein toller Effekt! Ein Schlüsselerlebnis. Und auch der Grund, warum ich die Indische Küche so liebe.

Und hier noch das Rezept dazu:


CHICKEN CHETTINAD 

Zutaten für 4 Personen
4 Hähnchenkeulen ca. 1 kg (am besten BIO, Mais- oder Freiland-Hähnchen verwenden)
2 Tl Poppy Seed (helle Mohnsamen), 100 g Kokosflocken, 1 Tl Fenchel Samen, 
1 ca. 5 cm lange Zimtstange, 3 grüne Kardamoms, 4 Nelken, 1 Tl Turmeric Pulver (Gelbwurz oder Kurkuma), 1 Tl Garam Masala Pulver, 1/2 Tasse Öl (am besten Erdnussöl, das kann sehr hoch erhitzt werden), 1 große Zwiebel, in Stücke geschnitten, 2 cm einer frischen Ingwerwurzel, in fein geschnitten
4 Knoblauchzehen, ebenfalls fein gewürfelt, 1 Sternanis (ganz).
3 Tl Chili Pulver (hier kann variiert werden, je nachdem wieviel Schärfe man verträgt. Wir haben Chiliringe verwendet, ohne Kerne), 4 getrocknete Chilis, ganz, 1 Dose Schältomaten, Salz, ca. 1/2 Liter Wasser, 1 Limette (die eine Hälfte als Saft, die andere in Scheiben schneiden), Ein paar Curry Blätter
1/2 Tasse frische Koriander Blätter, grob gehackt.


Das sieht jetzt nach furchtbar vielen Zutaten aus, doch die Zutaten gibt es im Asien Laden für kleines Geld und sie halten sich sehr lange.
Man braucht nur zwei Töpfe für dieses Rezept: Eine Pfanne und einen Reistopf.
Die Poppy Seeds in der Pfanne ohne Fett rösten. Dann zusammen mit den Fenchelsamen, dem Kardamom, den Nelken, dem Kurkuma, dem Garam Masala, dem Salz und der Hälfte der Kokosflocken in einem Mörser zerstoßen.

Das Öl in der Pfanne erhitzen und darin die Zwiebeln für etwa 5 Minuten so anbraten, dass sie nur leichte Farbe annehmen (deshalb das Erdnussöl...). Den Ingwer, Knoblauch und etwa zwei Minuten später den Sternanis, die Curryblätter, den Chili und die Gewürze aus dem Mörser hinzugeben. Direkt gefolgt von etwas Wasser. Immer wieder Wasser zugeben, die Masse darf nicht anbrennen, aber auch nicht zu dünn werden. Etwa 5 Minuten sautieren.


Dann die Hähnchenschlegel hinzugeben und ebenfalls für 10 Minuten mitköcheln lassen. Die Tomaten hinzugeben, die restlichen Kokosflocken und evtl. wieder etwas Wasser zugeben.
Das ganze mit leicht geöffnetem Topfdeckel für etwa 1,5 Stunden (je nach der Größe der Hähnchenschlegel) simmern, leicht köcheln lassen.
Zum Schluß nochmal mit Salz und Limettensaft abschmecken. Vor dem Servieren mit einer Limettenscheibe und etwas Koriander dekorieren.

Als Beilage eignet sich Basmati Reis oder Thailändischer Duftreis hervorragend.
Erfrischend wirkt eine Joghurtsauce mit frischem Koriander, Limettensaft, Meersalz und etwas Cumin (Kreuzkümmel). Entweder etwas dickflüssiger oder als LASSI zum Trinken.



Dieser Beitrag ist mein Beitrag zur Kulinarischen Weltreise, die im August das Motto "Gerichte gegen die Hitze – die besten Rezepte aus der ganzen Welt" hat.


Und hier die tollen Rezepte der Mitreisenden aus der Hitze in die kühle Küche:


Zum Schluss noch ein Bild von meiner Glockenchili im Garten.
Wie in diesem heißen Sommer so war auch schon der "Jahrhundertsommer" 2018
mit seiner Hitze und Trockenheit wahrhaft ein Chilijahr!


Und noch ein Exkurs zu den "Chili Heads" 

Neben Dead Heads (die alten Hippie Anhänger der Band Grateful Dead) gibts jetzt Chili Heads. Leute, die auf den Chili Kick stehen. Sie haben eine ausführliche und informative Internetseite rund um den.. die.. das Chili erstellt, hier ein Auszug aus ihrer Seite: "Menschen suchten schon immer Pflanzenwirkstoffe mit bewusstseinserweiternden Eigenschaften. Chilli-Pepper ist solch eine psychotrope Pflanze, denn sie zieht die Aufmerksamkeit von Gewohnheitsmustern des Denkens und der Vorstellung ab, um sie auf eine plötzliche Empfindung - scharf und beißend - zu lenken. Während man für einen Moment die Alltagsrealität vergisst, erwächst eine intensive Wahrnehmung von Wärme und Nahrung in der Mundhöhle. Das Hirnzentrum, das auf die Nervenreizung des Alkaloids Capsaicin reagiert, ist dasselbe welches für Glücksgefühle zuständig ist. Man könnte von einem Belohnungskern sprechen, wobei es egal ist, ob dieser psychisch oder chemisch (z.B. durch Drogen) angesprochen wird. Ist die Schärfeempfindung abgeklungen, stellt sich deshalb nicht nur schmerzdämpfende Entspannung ein, sondern sogar leichte Euphorie. Nach dem Verzehr solcher Chiligerichte, die einem das Wasser aus Nase und Augen treiben, ist man entspannt und leicht angeheitert. Die “brennenden” Zunge, wird vom Körper als Schmerz wahrgenommen, er reagiert mit einer Ausschüttung von Endorphinen (körpereigene Hormone), welche ein Wohlgefühl auslösen und Schmerzen killen (ähnlich dem Morphium). Deshalb kann man Hot-Peppers unterstützend gegen leichte Depressionen einsetzen."



Kommentare

  1. Vielen Dank für deinen interessanten Exkurs rund um das Thema Chili.

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  2. Bei Chilis bin ich sofort dabei, dein Chicken sieht köstlich aus! Hier stehen 12 Pflanzen und die Ernte wird klasse, ich freu mich schon auf viele scharfe Gerichte!

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    1. Liebe Petra, da bin ich mal gespannt, was daraus wird! deine Chilirezepte lese ich auch gerne und lerne dazu.

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  3. Liebe Ute, ich mag deine Artikel aus dem Blickwinkel der Biologin sehr! Tolle Rezepte plus Hintergrundinfo, was will man mehr?

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  4. Liebe Ute, ich mag deine Artikel aus dem Blickwinkel der Biologin sehr. Tolle Rezepte plus Hintergrundinformation, was will man mehr? Übrigens ist mir eben aufgefallen, dass ich den Kommentar wahrscheinlich doppelt abgeschickt habe. Nun, doppelt hält wohl besser...

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  5. Sehr interessant was man hier über die das Thema Chili erfährt, ich liebe ja scharfes Essen, das Rezept ist ganz nach meinem Geschmack.

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  6. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  7. Diese Glockenchilis hatten wir auch mal. Wirklich gut scharf! Zum Glück mag ich Schärfe. Leider hatte ich mir keine Samen aufgehoben... Das würzige Hühnchen gefällt mir.
    Viele Grüße Sylvia

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    1. Liebe Sylvia, in meinem Garten wurden sie nicht so scharf, ich glaube sie brauchen dafür noch heißeres Klima. Ich habe noch mit Chilipulver nachgewürzt.

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  8. Mit Chilli kenne ich mich nicht aus. Toll wie du es beschrieben hast. Das Essen sieht sehr lecker aus.

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  9. Sehr schoenes Rezept und super erklaerung zu den Chilis. Ich lebe ja in den Tropen und viele fragen mich, wieso es dort so scharf ist.

    LG Wilma / Pane-Bistecca

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    1. Liebe Wilma, ja in den Tropen hat man schon immer gerne scharf gegessen, hab ich mal gelesen, schon bevor die Chili aus Amerika kam. Nicht nur das Schwitzen wird dadurch gefördert, sondern die Stoffe wirken auch antibakteriell.

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  10. Habe auch das Beet voll Chilis - und hiermit gleich mal eine neue Kochidee. Danke für das Rezept =)

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    1. Liebe Manuela, gerne ;-) Bin gespannt, was du daraus kochst.

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  11. Bei Deinem indischen Huhn läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen, nicht nur wegen der Chilis. Da hätte ich gerne mal probiert.

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  12. Hallo Ute,

    ein schöner Ausflug in die Welt der Chilis. Ich esse in der Tat auch gerne scharfe Gerichte bei der Hitze und die indische Küche liebe ich.

    Ich greife daher mal direkt zu.

    Gruß Volker

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