Sonntag, 16. November 2014

LINSEN & SPÄTZLE - "LINSA mit SCHBÄTZLE"



Mein heutiger Gast ist Schwabe. Also, besser gesagt, er ist eigentlich nicht Schwabe, sondern Hohenloher, weil er in Heilbronn geboren ist. Und die Hohenloher sind eigentlich keine Schwaben, weil die haben fränkische Wurzeln. Haben unsere Eltern immer betont. Schwaben, das sind die aus Stuttgart. Und für die aus Stuttgart sind es dann wieder die Reutlinger. "Reitlinger" ausgesprochen. Und für die Reitlinger sind's die von "dr Alb ra". Also die, die von der Alb herunterkommen, übersetzt. Aber, das ist jetzt dann doch ein wenig zu kompliziert. Die richtigen Schwaben, die wohnen nämlich in Berlin. Am Prenzlauer Berg. Da sind sie so richtig Schwaben und toben sich dort aus. Das putzwütige Völkchen in der Diaspora. Sie haben die Kehrwoche eingeführt, die schwäbische Pünktlichkeit, das Schaffe und das Häuslebaue. Und den Dialekt. Das ist der, der für Restdeutschland wie Portugiesisch klingt, höflich formuliert. Wegen der vielen sch-Laute. Gut, die Schwaben probieren es immer wieder, auch Hochdeutsch zu reden. Erfolglos. Berühmtestes Beispiel unser EU-Kommissar Günther Oettinger. Auf die bekannte Müsliwerbung gehe ich jetzt mal nicht weiter ein.

Und eigentlich bin ich auch Schwäbin, denn ich bin auf der Alb geboren und in Stuttgart sozialisiert worden. Eigentlich.... doch meine Oma kam aus der Pfalz, der Vater aus Sachsen-Anhalt und die Mutter aus Kehl in Südbaden. Und in Südbaden, nicht weit weg vom Geburtsort der Mutter, da wohne ich jetzt.

Uns Exilschwaben überkommt in regelmässigen Abständen die Lust auf  LINSEN & SPÄTZLE! Beim Kochen wird der alte Dialekt wieder ausgepackt und wir kringeln uns schwäbische Urlaute ausstoßend vor Lachen. Jeder Fleck wird gleich "weggebutzt". Oder: "Ha, no, jetzt gugg a  mol, was i für ä tolle Schbätzlesbress hab, die macht koine Tropfe". Und "Kannsch du mal dr Butter hole?" DER Butter, jawoll, ja! Rollendes "r" nicht vergessen. "Ond die Oier, wieviel hatn dei Ooma immer gnomme?" Außer, sich über Hausrezepte mütterlicherseits auszutauschen, werden die blödesten Schwabenwitze gerissen und lustvoll maulig der breite Dialekt der Älbler nachgemacht, um dann schließlich hochwissenschaftlich fachsimpelnd, über weitere Zutaten zu diskutieren: "Machsch du jetzt da Schprudelwasser nei in de Teig oder Haahnewassser?" Nachdem sich schlussendlich, ob der Diskussionen über die jeweiligen Familienrezepte, der Familiengeschichten und der Kindheitserziehung mitsamt all ihrer pietistischen lustfeindlichen Elemente, ein gewisses Aggressionspotential aufgebaut hat, wird schließlich der "Schpätzlestaig" nach Art unserer Mütter mit dem Kochlöffel blasig geschlagen. Ja, ge-schla-gen! Blasig! Der Teig muss so zäh sein, dass er wie Klebstoff klebt. Kleben könnte. Aggressionsabbau auf schwäbische Art. 

Nun, ganz ohne dass die Küche "bäbbig" wurde, ging die Spätzleskocherei dann doch nicht ab. Dazu mussten wir einfach zu viel Lachen.

Und nun zum sachlichen Teil....


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Rezept für 4 Personen

Für das Linsengemüse:

250 g Berglinsen (oder andere Linsen wie die "Alb-Leisa")
1 Bund Suppengrün (Möhren, Sellerie, Lauch, Petersilie)
1 Rote Zwiebel
40g Butter
2 EL Tomatenmark
2 Lorbeerblätter
1 Zimtstange
1 EL Balsamessig
1 EL milder Essig wie "Melfor"
1 L Gemüsebrühe ("bio" z.B. von Alnatura)
Salz, Pfeffer

Suppengrün und Zwiebeln putzen, waschen und fein würfeln. Butter in einem Topf schmelzen lassen, die Zwiebeln darin glasig dünsten. Das Gemüse dazu geben und ebenfalls mit andünsten, leicht bräunen. Tomatenmark einrühren und ebenfalls kurz mit anbraten. Die Linsen einrühren. Mit Brühe ablöschen. Die Hitze reduzieren und mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken. Etwa 30 bis 35 Minuten köcheln lassen bis die Linsen gar aber noch bissfest sind. 


Für die Spätzle: 

400 g Mehl (nach Möglichkeit "Spätzlesmehl" verwenden)
4 Eier
ca. 30 ml kohlensäurehaltiges Wasser "Sprudelwasser"
Salz
Für den Teig der Spätzle eignet sich spezielles "Spätzlemehl" am besten. Das ist ein griffiges griesartiges Mehl. Es geht aber auch normales Mehl. Dazu vier Eier, ein wenig Sprudelwasser (das Kohlendioxid macht den Teig luftig) und Salz zugeben. Den Teig zunächst mit einem stabilen Schneebesen und dann mit einem Holzkochlöffel solange schlagen bis er Blasen wirft.

Den Teig etwa 10 min ruhen lassen. 
Das Wasser mit Salz aufkochen lassen.

Wenn das Wasser kocht, den Teig portionsweise mit dem Löffel in die Spätzlespresse geben und in das kochende Wasser pressen. Sobald die Spätzle oben schwimmen mit der Schaumkelle abschöpfen und auf einen vorgewärmten Teller oder in eine Auflaufform im Backofen warm halten.

Auf Tellern anrichten und servieren. 

Statt der Saitenwürstchen, kann bei dieser vegetarischen Variante ein Klacks saure Sahne - nicht nur zur Deko - auf die Linsen gegeben werden.

Meinem Freund, dem Schwaben, haben sie geschmeckt! Obwohl, so ganz schwäbisch waren sie dann doch nicht. Die Variante mit der Zimtstange ist eher unüblich..... Ersetzt aber den Bauchspeck. Geschmacklich zumindest. Ein wenig.



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Kommentare:

  1. Hihi, ich kann den Dialekt mitreden, aus Jux auch mal drrr buddrr und eine Spätzlespresse habe ich natürlich auch. Es gab vor längerer Zeit mal die Diskussion, warum die meisten Foodblogger und Sterneköche diesen Dialakt haben... Scheint wohl was mit kindlicher Prägung zu sein, das Interesse für gutes Essen bleibt. :-)

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  2. Mein Liebster schrieb: "
    Ein wunderschöner Artikel! Echt wahr!
    Vor allem für mich ...
    War ich doch live dabei! :-)
    Kann ich total verstehen, dass der Artikel ankommt. Toll geschrieben und keine Sekunde langweilig.
    Aaaaber ...
    Eine klitzekleine Anmerkung hätte ich.
    Ich bin kein Hohenloher! ;-)
    Das Problem der Heilbronner ist, dass sie sich im geografischen und patriotischen Niemandsland befinden.
    Im Osten das Hohenlohische, im Süden das schwäbische Stuttgart, im Westen die Badener und im Norden die Franken.
    Und mittendrin der Heilbronner, dessen Region auch noch zweitklassig "Unter"land genannt wird. Kein Wunder also, dass sie so sind, wie sie sind, die Heilbronner. Heimatlos, haltlos, ahnungslos. Zum guten Glück wächst auf ihren Hängen formidabler Wein, an dessen Endprodukt sie sich berauschen und in den sie reinbruddeln können. Denn darin sind sie wirklich groß. Im Weinanbau und im Bruddeln!"

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  3. Haha, das mit dem Bruddeln stimmt, das mit dem Wein auch. Ich kenne ein paar Heilbronner. :-)

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