LÖWENZAHNBLÜTENHONIG & ZIEGENKÄSE

Löwenzanblütenhonig & Ziegenkäse, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Eine meiner liebsten Frühlingstätigkeiten ist es, Löwenzahn zu ernten. Und zwar die Blüten. In den Weinbergen (ökologisch bewirtschaftet, natürlich), auf Wiesen und Weiden - und leidlich auch in meinem Garten. Ich gebe zu, selbst als Botanikerin und Wildkräuterköchin ist mir der Löwenzahn in meinem eigenen Garten nicht so wirklich willkommen. Gewesen. Das hat sich dieses Jahr geändert. Ich versuche ihn nicht mehr auszustechen, denn er sticht mich jedes Jahr eh wieder aus. Er bleibt, er vermehrt sich und nutzt jede unbewachsene Lücke in meinem Garten einfach aus. Da kann frau nichts machen, denn beim Ausstechen bleibt halt doch immer ein Wurzelrestchen drin. Wie soll man auch eine bis zu 2m lange Pfahlwurzel ausstechen? Und dann fliegen die Samen ja auch immer wieder herein, so dass er jetzt - im April - wieder einen regelrechten Teppich bildet. Aber, nur eben an den Stellen, an denen sonst nichts wächst. So what? Besser als nackte Erde. Und die Spinnentiere, Würmer und Insekten des Gartens danken es mir, weil sie sich verstecken können im Schatten des Löwenzahns. Mal abgesehen von den Milliarden von Mikrolebewesen, die sich in einer Handvoll Erde befinden... Also diesmal darf er bleiben. Er bleibt ja eh ;-) Und irgendwie sind seine gelben sonnigen Blüten halt schon hübsch anzusehen. Also ernten, essen und verarbeiten, statt bekämpfen. Die Köpfchen ernten, bevor sich aus ihnen Pusteblumen bilden. 

Und daraus lässt sich schließlich ein wunderbarer Sirup oder ein Gelee zaubern. In denen wahrlich die Sonne eingefangen ist. Beim Kochen entfaltet sich ein wohlig warmer Geruch, nach Wiesenhonig, Frühlingsluft und Blüten. Löwenzahnblütenhonig. Auch ohne Bienen. 

Wichtig ist, dass die Blüten bei Sonnenschein geerntet werden, wenn sie ganz aufgefaltet sind, denn dann enthalten sie den aromatischten Nektar. Das Rezept kann man sich übrigens ganz einfach merken: Blüten, Zucker, Wasser, Zitrone - alles eins zu eins.

 


Zubereitung des Löwenzahnblütenhonigs

1 L Löwenzahnblüten (ca. 200g)
1 L Wasser
1 kg Zucker
1 Zitrone

Die Zitrone in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Löwenzahnblüten von den Stängeln befreien, aber die Blütenböden dran lassen. Zusammen mit den Zitronenscheiben in einen Topf mit 1 L Wasser geben. Kurz aufkochen, von der Herdplatte nehmen und bei geschlossenem Deckel etwa 20 min ziehen lassen. Anschließend durch ein gebrühtes Leinentuch oder ein feines Sieb abseihen und zusammen mit dem Zucker wieder aufkochen. Auf mittlerer Hitze etwa 1 Stunde leicht köcheln lassen bis die gewünschte sirup- oder honigartige Konsistenz erreicht ist.
Der selbstgemachte Löwenzahnblütensirup passt wunderbar zu einem Salat mit Ziegenkäse oder zu Erdbeeren und anderen Desserts über die er einfach darüber geträufelt wird. 


BOTANISCHES zum Löwenzahn


Taraxacum officinale aus Köhlers Medizinalpflanzen (wikimedia commons)

Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae)

Der Löwenzahn trägt viele Namen: Pusteblume, Butterblume, Kuhblume und wegen ihrer harntreibenden Wirkung wird er in manchen Gegenden auch Pissblume, Seichkraut, Bettsoicher oder Bettsäächer genannt. Am Kaiserstuhl wird er Bieselin genannt, wie ich kürzlich erfahren habe. Seine diuretischen, sprich harnfördernden, Eigenschaften werden in der traditionellen chinesischen Medizin seit etwa 2.000 Jahren angewendet. Wobei es hier um die Inhaltsstoffe der Blätter geht. Die „Pusteblume“, wie sie von Kindern genannt wird, wächst praktisch überall und ist nahezu unausrottbar. Was allerdings auch auf seine Vitalität und Kraft auch als Heilpflanze hinweist.

Er ist eine alte Kulturpflanze und sein lateinischer Namenszusatz officinale deutet schon auf eine Nutzung in Klostergärten hin. Die Blätter, Blüten und Wurzeln werden in der Kräutermedizin oder als Lebensmittel verwendet.

Vorkommen: Der Löwenzahn wächst in Fettwiesen, auf Weiden, in Äckern, auf Schutt, in Gärten - und sogar zwischen Pflastersteinen setzt er sich durch. Als sogenannte „Rosettenpflanze“ wächst er immer wieder aus seiner bis zu zwei Meter (!) langen Pfahlwurzel nach. Dadurch setzt sich der Löwenzahn besonders an Stellen durch, wo andere Pflanzen durch Tritt oder durch Mahd zerstört werden.

Anmerkung: Alle Pflanzenteile enthalten weißen Milchsaft mit dem Bitterstoff Taraxacin und Gummi, besser gesagt Latex. In Russland wurden im zweiten Weltkrieg aus einem Verwandten vom Löwenzahn sogar Autoreifen hergestellt, so habe ich das irgendwo mal gelesen. Der hohe Anteil an Bitterstoffen (Taraxacinen) soll die Gallensekretion erhöhen und die Magensaftproduktion steigern.

Inhaltsstoffe: Der Löwenzahn gehört zu den schon in der Volksmedizin bekannten Naturheilkräutern. Er enthält etwa zehnmal so viel Vitamin C wie Kopfsalat. Dazu den Bitterstoff Taraxacin, den für Diabetiker geeigneten Zuckerersatzstoff Inulin, Cholin, Vitamin B2, Harze, Triterpene und verschiedene Carotinoide. Sein Provitamin A Gehalt ist höher als der von Karotten. Bemerkenswert ist sein hoher Kaliumgehalt. Mit seiner harntreibenden Wirkung wurde er auch zur sogenannten „Blutreinigung“ eingesetzt: Als Teil einer Frühjahrskur mit Kräutern hilft er dem Körper zu "entschlacken", wie man früher gesagt hat, da er sämtliche Verdauungsorgane, Niere und Blase anregt. Dies wirkt sich laut Studien auch positiv auf Rheumatismus oder Gicht aus.

Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Weinberg bei Durbach, April 22, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Ernte: Vor allem im Frühjahr von März bis Juni ist die beste Erntezeit für Blüten und Blättchen. Zarte Blätter können aus der Rosette das ganze Jahr über frisch geerntet werden.

Verwendung in der Küche: In Frühjahrssalaten wirkt er appetitanregend. Die Blätter des wilden Löwenzahns sind etwas bitterer als die des Kulturlöwenzahns. Ältere Blätter können gekocht als Gemüse auf vielfältige Weise zubereitet werden. Aus Löwenzahnblätter, Wegerich und Brennnesseln wurde früher eine hervorragende Suppe mit vielen Vitaminen und entschlackenden Bitterstoffen zubereitet. Bei vollem Sonnenschein geerntet ergeben die Blüten ein goldgelbes Gelee oder einen Sirup, den „Löwenzahnblütenhonig“. Aus den Blüten lässt sich auch ein intensiv gelber Tee zubereiten oder der in angelsächsischen Ländern beliebte spritzige „Dandelion wine“. Die Blütenknospen können wie Kapern eingelegt werden. Aus den Wurzeln lässt sich sogar Kaffee aufbrühen. Vor allem in der Nachkriegszeit wurde er ähnlich wie Zichorienkaffee eingesetzt. In Japan wird die Wurzeln in Öl und Sojasauce gebraten oder in Brandteig ausgebacken.

Löwenzahnblüten Ernte auf einer Wiese im April,
Wildkräuterseminar von wiesengenuss. Foto: Ute Mangold




Kommentare