Mittwoch, 21. August 2013

KRÄUTER & WEIN - Nachtkerze, Natternkopf und Schlangenpfiff

Nachtkerze (gelb) und Natternkopf (blau). Foto: Kaya Ute Mangold, wiesengenuss

Zugegeben eine recht "wilde" Kombination: Zwei UnWildkräuter und eine Weinlage.

Was haben Wildkräuter mit Weinlagen zu tun?

Na, sie wachsen am Rand der Weinberge. Oft unbeachtet, eher wenig geliebt, manchmal mit Unkrautvernichtungsmittel bekämpft. Doch wenn sie Glück haben, dann lässt der Winzer sie stehen und mulcht sie nur ab. Von all dem lassen sich die wilden Kräuter jedoch nicht beeindrucken und wachsen einfach fröhlich weiter. Sie sind Anarchisten und wachsen dort, wo sie wollen und nicht dort, wo man sie gerne haben möchte. Jeder Gärtner, jede Gärtnerin kennt das: wer Giersch im Garten hat, der leidet. Der Mensch - der Giersch nicht. Er überwuchert alles, egal was man/frau tut. Da hilft nur noch aufessen, in der Quiche, als Gemüsekuchen, Rösti...



Wilder Salbei, Wiesensalbei
Die Verbindung zwischen den Kräutern und dem Wein liegt im Boden und in den Standortbedingungen. Auf bestimmten Böden wachsen bestimmte Kräuter, sogenannte Zeigerpflanzen. Auf eher sauren, feuchten oder mageren Böden fühlt sich beispielsweise der Schachtelhalm wohl, während kalkhaltige, trockene Böden gerne von wildem Thymian, Dost oder Wiesensalbei besiedelt werden.

Der Godramsteiner Münzberg mit dem "Schlangenpfiff" ist eine solche kalkhaltige Lage. Im Buch "terra palatina - von den Grundlagen des Weins" (Plöger Verlag) heißt es zur Beschaffenheit dieser Kalktertiärlage: "steinige, teils tonige Lehmböden, sehr kalkreich, hohes Nährstoffangebot, ausreichende Wasserversorgung, gute Erwärmbarkeit". Ähnliche Lagen sind die Kleine Kalmit der Königsbacher Idig, der Schwarze Herrgott im Zellertal oder die Bockenheimer Heiligenkirche. Der Kallstadter Saumagen ist ebenfalls eine kalkhaltige Lage - aber der ältere Muschelkalk.


Blick auf Burrweiler und Böchingen, rechts oben der Münzberg, Foto: Kaya Ute Mangold, wiesengenuss

 

Die Weinlage - Schlangenpfiff


Höre ich den Namen "Schlangenpfiff" verbinde ich das mit Rainer und Gunter Keßler und dem 
Weingut Münzberg - Lothar Keßler & Söhne, einer der "Fünf Freunde" - Fünf Winzer aus der Südpfalz, Rebholz, Wehrheim, Siegrist, Becker und eben die Keßler Brüder, die sich vor einigen Jahren zusammen getan haben, um für eine bessere Weinqualität zu sorgen, mit Erfolg! Kurzgesagt. Wen mehr interessiert, der kann hier weiterlesen: Fünf Winzer - Fünf Freunde.

Und nun zur Weinlage in Godramstein auf dem Münzberg - eine Große Lage des VDP

Hier möchte ich die Arbeit von Hermann Höhle und seinem Team nochmal ganz besonders herausstellen. Eine unglaubliche Arbeit steckt in ihrer Datenbank: Weinlagen-Info. Gestern habe ich sie in meinen Blog eingebunden - und bin glücklich! Das ist ja sowas von genial. Mit wenigen Schritten zur Weinlage. Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, Ungarn, Spanien, Frankreich, Italien und USA! Alle Weinlagen, per Satellitenbild abrufbar. Man kann bis in die Weinberge hineinscrollen. Wunderbar.

Hier der Link zum Godramsteiner Münzberg mit dem "Schlangenpfiff". Eine Große Lage des VDP Pfalz.



Klickt man auf die Lage erscheint eine "Sprechblase" mit weiterführenden Links und Infos.

Ergänzend dazu können über das Riesling Portal noch Beschreibungen dieser und anderer Weinlagen abgerufen werden. Hier die Beschreibung zum "Schlangenpfiff".

Der VDP beschreibt diese Lage so: "SCHLANGENPFIFF" MÜNZBERG
„Schlangenpfiff" steht für eine alte Godramsteiner Gewanne im Münzberg mit kalkhaltigen, aber auch tonigen Mergelböden aus dem Tertiär. Hier werden seit Generationen mit die besten Godramsteiner Weine erzeugt. Nach Recherchen von Karl Theobald, einem alteingessenen Winzer waren dort vor mehr als 150 Jahren schwer zugängliche Terrassenweinberge. Die dafür notwendigen Stützmauern, warm und trocken, waren das optimale Biotop für Eidechsen und Schlangen. Die Legende besagt, dass die Schlangen sich dort sonnten und vor Freude pfiffen. In diesem warmen Süd-Südosthang finden Burgunder und Riesling beste Voraussetzungen. Die Qualität der Lage bestätigen jedes Jahr die erzeugten Weine, aber auch die Bewertung der Lage in der königlich bayerischen Bodenklassifikation von 1828, in der Godramstein sehr hohe Punktzahlen erhielt. Bereits die Altvorderen wussten, welche Gewanne beste Voraussetzungen bieten, um qualitativ hochwertige Trauben zu erzeugen, und sie im Keller zu hochwertigen Weinen zu veredeln.  Weingut Münzberg   -   Riesling, Weißer Burgunder, Spätburgunder

Mohn und wilde Kräuter am Weinbergsrand

Das mediterrane Klima, die Kräuter und der Wein


Doch zurück zur Nachtkerze und dem Natternkopf. Was zeigen diese beiden Pflanzen an? Und was haben sie mit Wein oder dieser Lage zu tun? Hmm, beide sind ein Zeiger für ein warmes trockenes, eher mediterranes Klima. Und das haben wir hier in der Pfalz, in der Südpfalz und im Rheingraben. Deshalb sind die beiden hier auch so verbreitet. Am Rand der Weinberge. Und beide mögen kalkhaltige Böden, auch mit Kieseln oder Steinen an der Oberfläche.

Die Nachtkerze 

Ihr lateinischer Name ist Oenothera. Ein gelehrter Name, in dem griechischer Wein steckt. (Oeno.... Önologie...). Die Nachtkerzengewächse sollen nach griechisch-römischer Auffassung mit ausreichend Wein genossen "die Menschen heiter und wilde Tiere sanft" machen. Nachtkerze heißt sie, weil sie erst in der Dämmerung ihre schönen und zarten Blüten öffnet. 

Ein lauer Sommerabend, duftende Nachtkerzen im Garten und ein Glas Wein dazu! So werden wir das heute machen.

Nachtkerze (Oenothera biennis)

Ursprünglich waren sie in Nordamerika heimisch. Im 17. Jahrhundert wurden sie als Zierpflanzen in Mitteleuropa eingeschleppt. Da sie hier ein ähnliches Klima vorfangen, fühlten sie sich so wohl, dass sie verwilderten. Pflanzen, die nach Christoph Kolumbus nach Mitteleuropa kamen, werden Neophyten genannt.

Sie ist eine Heilpflanze. Ihre Ölhaltigen Samen sind reich an Gamma-Linolensäure. Nachtkerzenöl hift bei Neurodermitis und anderen Hautkrankheiten. Auch bei Polyarthritis und Multipler Sklerose zeigt sie lindernde Wirkung. Zum Weiterlesen, die Nachtkerze in Wikipedia

Der Natternkopf 


Natternkopf (Echium vulgare)

Er galt nach der Signaturenlehre von Theophrastus Bombastus von Hohenheim (ich liebe diesen Namen einfach ;-)), der unter dem Namen Paracelsus jedoch bekannter ist - als Heilpflanze. Sie sollte wegen ihres Aussehens, die blauen Köpfe mit dem roten Griffel, der an die gespaltene Zunge von Nattern erinnert, gegen Schlangenbisse helfen. Nun ja, der Glaube hilft ja manchmal Wunder, aber die neuere Forschung hat keinerlei Wirkstoffe in dieser Pflanze gefunden, die gegen Schlangengift helfen könnten. Frei nach Paracelsus "Die Dosis macht das Gift!". Also am besten sich nicht beißen lassen oder zum Arzt gehen. Zum Weiterlesen, der Natternkopf in Wikipedia

 

Vom Natternkopf über den Schlangenpfiff zurück zum Wein - einem Mittwochswein


Heute ist Mittwoch, da gibts in der Pfalz Schorle, wie immer. Aus Dubbegläsern. Der Wein, der zu Schorle verarbeitet wird muss hochwertig sein, denn die Kombination mit dem kohlensauren Wasser hebt jeden Weinfehler hervor. Also achtet der Winzer auf die Qualität seiner Qualitätsweine. Sie sind sein Aushängeschild. Gefallen dem Kunden die einfachen Weine nicht, kauft er auch keine hochwertigen.

Manfred Klimek schrieb dazu auf Captain Cork erst kürzlich: "Eine alte Faustregel lautet: Gute und namhafte Winzer müssen gerade bei ihren einfachen Weinen auf die Qualität achten, denn diese zeichnen in breiter Masse für den Betrieb. Wer nur großartige Große Gewächse keltert und seine einfachen Weine vernachlässigt (solche Winzer gibt es auch) kann so zwar die Tester und Enthusiasten entzücken, sich auf breiter Front aber keine Basis schaffen, die ihn durch magere Jahre trägt."

Und weil Mittwoch ist, trinken wir einen M-T, aber nicht als Schorle, sondern pur

Münzberg, Müller-Thurgau 2012 und Stölzle Edition Riesling Opulenz
2012 Müller-Thurgau, Weingut Münzberg

Müller-Thurgau? Wie altmodisch....? Ich hab ja schon öfter mal die Lanze gebrochen für 'Müllers' in meinem Blog. Ich weiß auch nicht, warum gerade diese Rebsorte, die doch schon längst out war, mich immer wieder anspricht. Vielleicht, weil er einfach auch zum Essen passt, unkompliziert ist und frau nicht lange nachdenken muss über den Wein oder gar seitenlange Weinbeschreibungen macht, statt zu essen. Doch, was heißt einfach? Was die Winzer, von denen ich bisher M-Ts getrunken habe, für unterschiedliche Tropfen daraus gezaubert haben - ja gezaubert! Bisher war auf jeden Fall noch keiner langweilig, bäuerlich oder altmodisch, geschweige denn, flach.

Foto: Kaya Ute Mangold, wiesengenuss
Und dieser hier ist frisch, verhaltene Frucht, eher in die Weißburgunder Richtung gehend. Ich probiere ihn in meinen neuen Gläsern aus. Zart nussige Aromen. Im Nachhall Birne mit einer schönen Länge...

Ein Wein als tägliches Brot oder zum Pfälzer Essen: Gebratener Saumagen, Saure Bohnen und Spiegelei. (Saumagen vom Metzger Hambel aus Wachenheim, Eier von glücklichen Hühnern und die sauren Bohnen, na gut, die sind vom Pfälzer Metzger nebenan.)











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