Freitag, 26. Juli 2013

Weinrallye #65 Urlaubswein - Weinurlaub: Der ROSÉ und die Assoziationen

In diesem Monat beschäftigt sich die Weinrallye, die von dem Blog-Kollegen von WeinReich ausgerichtet wird, mit dem Thema Urlaub. Urlaubsweine - Urlaubsreisen. 

Der erste Gedanke, den ich mit Urlaub verbinde, ist: Rosé.

Der zweite, die dazu gehörige Urlaubsreise an die Ardèche. Im Juli. Hochsommer. Der Campingplatz in Saint-Martin d'Ardèche mit den schattigen Maulbeerbäumen. Der Geruch der Garrigue am Ufer der Ardèche. Die Kräuter für das Essen konnten wir direkt am Campingplatz sammeln. Rosmarin, Thymian, Wilde Möhren....


Die Roséquelle zum Essen lag nicht weit entfernt im Dorf: Domaine Nicolas Croze. Die Erinnerung an diesen kühlen Rosé mit dem Namen "Les petit coins" und seinen Rebsorten (50% Grenache, 30% Syrah, 30% Cinsault) und das Etikett sind übrig geblieben. Kühl war er, leicht nicht. Da wir mit eingefleischten Pfälzern aus DÜW unterwegs waren, wurde da dann auch mal schnell ein Schorle draus gemacht *rotwerd*.
An einem Tag, einem kühleren, als der scharfe Mistral von den Alpen die Rhône herunter wehte, machten wir einen Ausflug nach Gigondas. Doch auf Gigondas, den Luberon, Vacqueyras und Chateauneuf-du-Pape kann ich hier nicht weiter eingehen. Das würde das Thema sprengen und der Text Buchform annehmen. Die Rotweine waren allerdings auch zu schwer für diesen heißen Sommerurlaub. Wir bestellten sie im Herbst bei Pinard-de-Picard. Und dazu noch ein paar Rosé mit klangvollen Namen wie Fondrèche - L'Instant, Triennes - Gris, Perrin - Côtes du Ventoux, Clavel - Mescladis. Allein diese Namen.... Diese wundervolle Wein-Landschaft im Süden Frankreichs kann ich nur jedem ans Herz legen, der dort mal in der Gegend ist.Und die im Herbst bestellten Weine transportierten die Erinnerung an Gigondas und den Urlaub an der Ardèche wieder mit.

Seit diesem Urlaub bestelle mir im Sommer immer wieder Rosé. Ich kanns nicht lassen. Die Assoziationen zwingen mich dazu. Also die Bilder, die in meinem Kopf aufsteigen, wenn ich an Sommer denke, an Entspannung, an Hitze und den Süden. Die Gefühle, die damit verbunden sind - und untrennbar auch mit Rosé.

Was ist das nur, was da im Gehirn passiert? Ich erinnere mich: die Nase ist direkt mit dem Kleinhirn verbunden. Als sie erfunden wurde, die Nase, zu Zeiten der Saurier, da gab es noch kein Großhirn, also noch kein großes. (Sorry, Saurier, nicht traurig sein). Man kann auch sagen, die Nase ist direkt mit dem Instinkt verbunden.

Im Linder Biologie steht: "Obwohl unser Gehirn ungefähr 10.000 Gerüche unterscheiden kann, lassen sich diese nur wenigen Grundgerüsten wie "blumig", "faulig" oder "würzig" zuordnen. Viele Gerüche werden nur unbewusst wahrgenommen. Oft werden Vergleiche gezogen: Etwas riecht wie eine Rose oder stinkt nach faulen Eiern"

Weintrinker aufgepasst, wem die Worte fehlen, der trinkt entweder einen so genialen Wein, dass das Großhirn abgeschaltet ist und sich nur noch auf diesen einen Wein konzentriert oder Mist. Und wer dann trotzdem noch Worte wählen muß (die armen Tester), der greift dann halt auf das Aromarad zurück (Anfänger) oder auf sein im Gehirn abgespeichertes Archiv (Profis).

Und weiter mit der 'Biologie-Stunde':
"Viele Gerüche werden nur unbewußt wahrgenommen. Dennoch speichert unser Gehirn die damit verbundenen Erlebnisse und Stimmungen oft ein Leben lang. Wenige Duftmoleküle genügen, um längst vergangene Bilder ins Bewusstsein zu rufen. Diese Verknüpfung des Riechens mit Stimmungen....[..]"

Ich wieder....ich kanns einfach nicht lassen, das Natur-Wissen-Schaffen. Hmm, vielleicht will ich mir damit auch nur selbst erklären, warum sich mein Gehirn nicht mehr an die Rebsorten, die einzelnen Aromen erinnert und stattdessen der Roséwein zusammen mit der Landschaft, der Sonne, dem Geruch der Maulbeerbäume und der würzigen Kräuter zu einer Erinnerungs-Suppe verschmilzt. Für Fakten muss ich in meine Notizbücher schauen, in meine Weinbeschriebungen. In Bücher: was schreibt eigentlich Jancis Robinson über Rosé? Ich google im Internet, finde diesen Link hier in Wikipedia, ich finde weitere Links, Beschreibungen.... ich verzettle mich - klassischer Anfall von Internetsucht - wieder. Diesem Zeitfresser!

Okay, zurück zum Thema, dem Rosé. Dazu muss ich nur dieses Wort schreiben, dann fällt es mir wieder ein. Die kraftvollen Rosé, die ich in letzter Zeit getrunken habe, aber auch die filigranen. Der 'Kutschler' von Andreas Durst, der 'Spätburgunder Rosé' von Sven & Flo (Enderle & Moll). Der Rosé von Stefan Dorst (Dorst und Consorten) Starke Charaktere - die Jungs - und starke Weine!

Aber auch einen filigraneren Typ konnte ich neulich verkosten. Auf den 'Weintagen der Südlichen Weinstraße'. Im Juni, es waren die ersten sonnigen Tage nach dem verregneten Mai und es wehte ein kühler Wind. Der Wein heißt WINDROSÉ, wie passend ;-)

Ich bin bei Frank Spiegel (Ellermann & Spiegel) am Stand und seinen Weinen hängen geblieben. Meine Notizen dazu: 60% Spätburgunder, 40% Cab. Sauv., kurze Maischezeit, 1 1/2 Std.. Entrappt, um Säure zu erhalten. Früher geerntet, um grüne Aromen, 'bitterness', zu bekommen. Pyrazin (Stachelbeer, Paprika, typ. Sauv. bl. und Cab. sauv.), schöne Länge, keine Drops, obwohl frisch abgefüllt.

Und, da ich meinen Urlaub diesen Sommer wieder einfach nur in der Pfalz verbringe, weils so schee is hier, hab ich mir nochmal einen Rosé geholt, in der Pfalz. Von Daniel Assmuth. Und mich in den Liegestuhl auf den Balkon gesetzt...

Die facts dazu kamen gerade von ihm via whatsapp : "60% Edelstahl, 40% Holz, 100% Portugieser aus dem Dürkheimer Nonnengarten. Spontan angegoren und nachgeimpft, anschließend bsa (biologischer Säureabbau). 8 Monate Vollhefelager ohne Filtration. 2 Gramm Rz (Restzucker) und 6 Gramm Säure."
Hach das Internet, ist einfach ne tolle Sache... Ich bleib im Liegestuhl und freue mich jetzt darauf, was mein Sohnemann von seiner USA Reise erzählt. Gerade ist er angekommen - aus dem Urlaub.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen