Montag, 8. Juli 2013

It makes you hot! CHILI & CARDAMOM

 

 - über die euphorisierende Wirkung scharfer Gewürze


Den Kick werd ich so schnell nicht vergessen: CHICKEN CHETTINAD in Kombination mit französischem Champagner. Ich war total high! Plötzlich sah ich Farben...dieses Blau am Himmel...dieses Grün der Bäume...die Musik war lauter, alles leuchtete.... Nö, nö, der Champagner war es nicht, das war nur ein Glas oder zwei - und auch kein anderes Zeugs. Die 'Droge' musste in den Gewürzen stecken!...




Aphrodisierend

 In 3sat kam kürzlich eine Sendung über aphrodisierende Wirkung von Chili & Co...
Indian Food Trader, Paris, 18. Arrondissement, Foto:Kaya Ute Mangold
Alles klar! Chili und Kardamom, das waren wohl die beiden Wohltäter, die zusammen mit dem Champagner für den Kick sorgten. Beide in den arabischen, indischen und südamerikanischen Kulturen altbekannte Aphrodisiaka mit durchblutungssteigernder und damit euphorisierender Wirkung. Die Bubbles im Champagner machten den Rest, indem sie noch für leichtes Blut sorgten, sozusagen.

 

facts..

Chili - Alkaloide

Oookay, als Botanikerin ist mir noch bekannt, dass Chili Capsaicin enthält, ein Alkaloid, das durch seine Wirkung auf bestimmte Rezeptoren wie die Geschmackspapillen einen Hitze- oder Schärfereiz auslöst. Es stimuliert die Verdauung und die Blutzirkulation. It makes you hot! Das bewirkt Schwitzen und hat in der Folge kühlende Wirkung auf den Körper. Mal abgesehen davon, dass als Nebeneffekt auch viele Bakterien und andere Mikroorganismen abgetötet werden. In heißen Ländern deshalb sehr beliebt. Übrigens sind die Kids in den "Chili-Ländern" die Schärfe von klein auf gewöhnt, denn sie bekommen keine milden Breichen, sondern das gleiche Essen wie die Erwachsenen.

Neben Dead Heads gibts jetzt Chili Heads. Leute, die auf den Chili Kick stehen. Sie haben eine ausführliche und informative Internetseite rund um den.. die.. das Chili im Internet erstellt, hier ein Auszug aus ihrer Seite:

"Menschen suchten schon immer Pflanzenwirkstoffe mit bewusstseinserweiternden Eigenschaften. Chilli- Pepper ist solch eine psychotrope Pflanze, denn sie zieht die Aufmerksamkeit von Gewohnheitsmustern des Denkens und der Vorstellung ab, um sie auf eine plötzliche Empfindung- scharf und beißend- zu lenken. Während man für einen Moment die Alltagsrealität vergisst, erwächst eine intensive Wahrnehmung von Wärme und Nahrung in der Mundhöhle. Das Hirnzentrum, das auf die Nervenreizung des Alkaloids Capsaicin reagiert, ist dasselbe welches für Glücksgefühle zuständig ist. Man könnte von einem Belohnungskern sprechen, wobei es egal ist, ob dieser psychisch oder chemisch ( z.B. durch Drogen) angesprochen wird. Ist die Schärfeempfindung abgeklungen, stellt sich deshalb nicht nur schmerzdämpfende Entspannung ein, sondern sogar leichte Euphorie. Nach dem Verzehr solcher Chiligerichte, die einem das Wasser aus Nase und Augen treiben, ist man entspannt und leicht angeheitert. Die “brennenden” Zunge, wird vom Körper als Schmerz wahrgenommen, er reagiert mit einer Ausschüttung von Endorphinen ( körpereigene Hormone), welche ein Wohlgefühl auslösen und Schmerzen killen (ähnlich dem Morphium). Deshalb kann man Hot -Peppers unterstützend gegen leichte Depressionen einsetzen."

Doch Capsaicin ist ein Alkaloid wie das Coffein, das Nikotin, das Cocain, das Morphin, das Mescalin..Colchizin, Atropin...weiter? Nein, ich denke das reicht. Tolle Wirkung, aber auch gefährlich. Allen Alkaloiden wohnt ein Suchtpotential inne, weil es zur Toleranzbildung kommt. Leider. Durch den Gewöhnungseffekt will man es immer mehr, immer schärfer, immer heißer..

- aber was steckt im Kardamom?

 

 

Kardamom - Ätherische Öle

Ich lese, Kardamom  (lat. Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). In der Küche werden die getrockneten Fruchtkapseln verwendet. Es gibt den Grünen Kardamom und den weniger gebräuchlichen Schwarzen Kardamom (lat. Amomum subulatum). Die Kapseln des Grünen Kardamom haben einen zitronenartigen blumigen Geschmack mit einem Hauch von Kampfer und Eukalyptus. Für das Aroma ist ein ätherisches Öl verantwortlich, das aus über 120 Verbindungen besteht. Es verfliegt leicht, weshalb die Kapseln erst kurz vor der Zubereitung im Mörser leicht zerdrückt werden. Das Gewürz ist Hauptbestandteil indischer Masalas, Kormas und Curries. Interessanterweise aber auch in guten Lebkuchen und Spekulatius enthalten. Mmmh, da steigt das Glücksgefühl bei der Erinnerung an diesen Weihnachtsduft...
In arabischen Ländern wird ihm aphrodisierende Wirkung bescheinigt und gerne eine Kardamom Kapsel zum Mokka gereicht. Die Beduinen präsentieren ihren Gästen als Zeichen des Respekts vorher den Kardamom in all seiner Frische.

 

Woher kommt nun die aphrodisierende oder euphorisierende Wirkung? 

Zum Einen sind es psychogene Substanzen, wie eben die Alkaloide, die auf den Gehirnstoffwechsel wirken und zur Ausschüttung von Endorphinen sorgen. Capsaicin hat jedoch eine vergleichsweise harmlose Wirkung im Vergleich zu den anderen bekannteren Halluzinogenen. Zum Anderen ist es wohl vor allem die durchblutungsfördernde, sogenannte "Blutverdünnende" Wirkung, die einen leichter macht. Und ganz wichtig ist auch der Duft, das Aroma, das direkt von der Nase ins Hirn steigt. Und das Wohlbefinden auslöst. Die Entspannung durch ein gutes Essen, die Stimmung.

Wie so oft: Die Kombination machts. Und die Dosis erst das Gift (frei nach Paracelsus).

Wie im Wein, so auch in der Pflanzenheilkunde: es ist nie ein einzelner Wirkstoff, sondern eine Kombination aus vielen Stoffen. Deshalb auch nur schwer zu isolieren oder gar künstlich herzustellen. So richtig weiß man's nicht in der Wissenschaft, so richtig erforscht ist es nicht....aber es wirkt! Und das schon über Jahrtausende.
Und es ist immer wieder schön, dass die Natur noch so ihre Geheimnisse hat.




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