Freitag, 9. März 2012

"MÜLLER" Weinrallye #49

Müller-Thurgau? 


Ich muss sagen, das heutige Thema der Weinrallye hat mich sofort interessiert! 
M.-T. wie er bei den hiesigen Winzern auch genannt wird, ist ein Underdog - ein Underdog unter den Underdogs. Ein Saufwein, über den der Weinkenner nicht spricht und auch nicht viel darüber schreibt. Ein Aldiwein. Vulgär. Schorlewein für die, bei denen Riesling Sodbrennen auslöst. Eine Rebsorte, an die man keine nachhaltigen Erinnerungen hat. Oder gibt es ein Großes Gewächs aus Müller-Thurgau? Wohl kaum. Nur aus Saale-Unstrut soll es interessante Weine geben, hab ich gehört.

Dabei hab ich drei wirklich nachhaltige Erinnerungen an den Müller- Thurgau. Eine davon im Gasthaus ‚Fünf Bäuerlein‘ in Landau. (Das Restaurant der 'Fünf Winzer- Fünf Freunde': Rebholz, Wehrheim, Siegrist, Kessler-Münzberg und Friedrich Becker). Auf der Schiefertafel stehen zum Tagesessen immer die Hausweine. Heute war ein Müller-Thurgau vom Burgunderspezialisten Friedrich Becker aus der Südpfalz im Angebot, das Glas für 2,50 Euro. Das Essen dazu hab ich leider vergessen - den Wein nicht. Das war ja mal ein Hammer! Ein Müller-Thurgau, der bei einer Blindprobe sicherlich als Sauvignon-Blanc durchgegangen wäre.

Müller-Thurgau 2010, Qualitätswein, Weingut Friedrich Becker, Pfalz

Über diesen Müller-Thurgau aus 2010, sprachen wir erst neulich wieder bei einer Weinprobe in der „Weinhandlung am Kleinen Platz“ in Landau. Der Weinhandlung von Stefan Dorst, dem flying winemaker und langjährigen Pinot-Noir-Berater vom Weingut Friedrich Becker. Unterhaltung bei der Weinprobe: „dass die Pinots legendär sind, das weiß ja jeder....“aber hast du mal den Müller von denen probiert? Den hättest du locker für einen Sauvignon halten können und zwar für einen großen...“ „Nee, die nennen ihren Wein: Müller? Nicht Rivaner?“ „Nein, ganz bodenständig: Müller-Thurgau“. „Hmm, das ist ganz schön mutig“.
Yep. Mutig. Und jetzt isser wech. Ausgetrunken. Warten. Demnächst wird wieder abgefüllt. Der 2011er kommt bald, hoffentlich.

Es war ein Literwein! Kein in edler schlanker Flasche abgefüllter Wein mit Design Etikett. Nein, es war ein ganz einfacher Literwein. 


(Stefan Dorst und Fritz Friedrich Becker, bei den Weintagen der Südlichen Weinstraße 2011)


In der Pfalz sind die Literweine, meist Rieslinge, das Aushängeschild des Weinguts. Und das wissen die Winzer. Wer hier beim Weingut direkt ab Hof kauft, meist Städter aus Karlsruhe, Stuttgart, Frankfurt, München, lädt seinen Kofferraum voll. Große Menge, weil günstig. Literweine, kistenweise. Dazu noch ein paar Weine aus der Mittleren Klasse in der schlanken Flasche, und - weil man ja nicht unhöflich sein will - auch noch ein Großes Gewächs.

Aus diesem Grund achten die Winzer hier ganz besonders auf die Qualität ihrer - wie der Name schon sagt - Qualitätsweine! Wenn der schmeckt, auch als Schorle dann steigt der Kunde gerne in der Preisklasse nach oben. Traut sich in die teureren Segmente. Weil er dem Winzer vertraut. (Gerade beim Schorle wird’s gefährlich, denn die Verdünnung mit kohlensäurehaltigem Wasser arbeitet ja jeden Weinfehler deutlich heraus).


-       MÜLLER 2010 von Enderle & Moll, Münchweier, Baden

Der zweite Müller-Thurgau, der mir nachhaltig in Erinnerung blieb, ist der von den Winzern Enderle & Moll aus Münchweier in Südbaden, nahe Freiburg. Mittlerweile aus der Nischenposition in die Geheimtipp-Position der großen Pinot-Noir-Weinmacher aus Deutschland aufgerückt. Junge wilde Winzer werden sie auch genannt, Freaks. Naja, was daran freakig sein soll, wenn man einfach nur allerbeste Qualität aus uralten Reben produzieren will, von denen die Klone nicht einmal mehr bekannt sind. Auf der anderen Seite, wen interessieren schon Klone? Die Reben, die sie übernommen haben, liefern einfach beste Burgunder, nach burgundischer Art.

Auch sie haben einen „Müller“ auf den Weg gebracht. Hier steht der Name sogar auf dem Etikett. Apropos Etikett. Die mit dem Weingut befreundete Künstlerin Kim Howard hatte die richtige Intuition und genau die Farben auf das Etikett gebracht, die die Aromen des Inhalts wiederspiegeln: Gelb steht für das reife Quittenaroma, Hellgrün für Stachelbeere und das Olivgrün für eine gewisse Kräutrigkeit: Stevia, Süßkraut war meine Assoziation. Der Müller ist nicht ganz durchgegoren und hat noch etwa 4g Restsüsse. Was ihm gut steht, denn durch die Reste von Gärkohlensäure besitzt er eine lustige Spritzigkeit.

Die besten Weine für mich sind sowieso die, die Assoziation hervorrufen – und manche sogar mit einem glückseligen Lächeln, ohne Worte. So dieser Wein aus Südtirol, den ich in einem Urlaub im Juli 2010 auf dem Ritten oberhalb von Bozen getrunken habe. 

Juval „Glimmer“, Weingut Unterortl, 2009

Ein Müller-Thurgau mit Anteilen der autochthonen Südtiroler Rebsorten Fraueler und Blatterle. „Rote-Liste-Arten“ unter den Rebsorten. Martin Aurich, ein Geisenheimer, der das Weingut Unterortl unterhalb des Schlosses Juval von Reinhold Messner gepachtet hat, wollte damit ein Cuvée nach der Tradition der Südtiroler Hausweine produzieren. Ein Sommerwein!  Mit Zitrusnoten und einer bodenständigen Mineralität. Der Duft ganz zart nach Wiese, Almwiesen, zarte Frühlingsblumen. Wiesenduft – ein wahrer „Wiesengenuss“.

Schon interessant, was ein Müller-Thurgau auslösen kann. Der „Müller“ von Enderle & Moll hat dazu geführt, dass ich spontan in Richtung Freiburg gefahren bin, um die Jungs auf ihrem Weingut zu besuchen („Weingut“ ;-)) ja, ja immer noch ein running gag....) und der „Glimmer“ hat dazu geführt, dass wir eine stundenlange Wanderung durch heiße Fels- und Steppenlandschaften oberhalb des Vinschgaus auf uns genommen haben, um zum Schloß Juval zu pilgern. Aber das sind andere Geschichten. 


(Müller-Thurgau Anlage des Weingut Unterortl, Juval, Südtirol, Steillagen, Glimmer und Gneis)























1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für Deine Teilnahme - eine schöne Müller-Thurgau-Auswahl!

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