Montag, 20. September 2010

WEISSWEIN AUS DEM MIDI - Anis, Zitrone & Grünes Gras

Weißwein aus dem Midi


Gebe zu, bis vor einigen Jahren wusste ich noch nicht einmal, dass es in Süd-Südfrankreich Weißweine gibt - ich meine, gute! Mit einer rieslingweinnasegeprägten deutschen überheblichen Art dachte ich: im Süden, da wächst nur breit-schlappiges Zeug. Fette Fruchtbrühen wie 'Pino Gritschio' oder getoastete Chardonnays, die eben - nach Toast schmecken. Vanille und Holzaromen, ohne jede Finesse oder dem bei uns so beliebten Säurerückgrat. Einfache Weine, die man halt zum Essen trinken kann. Vielleicht zu Meeresfrüchten oder gegrilltem Fisch. Mehr fiel mir dazu nicht ein.
Bis, ja... BIS mir ein befreundeter Weinhändler einen weißen Côtes du Rhône mit dem Namen "Parcelle Sud" von der Familie Pommier aus dem Jahre 2003 vorsetzte. Sechs-Euro-achtzig. "Im Bukett ein Anklang von Stachelbeere und Melone, im Mund adstringierend, viele Kräuternoten - Herbes - und sehr sehr lang....Wilde Kräuter und Feine Weine.... WOW!" So meine Notizen aus dem Jahr 2005.
 Die uns bekannten darin enthaltenen Rebsorten hatten so poetische Namen wie Marsanne und Clairette blanc, Bourbulenc und Viognier. Vorher nie gehört, allein die Aussprache klang faszinierend. Und ich begann zu recherchieren: der Name des Weingutes "Notre Dame de Cousignac"  aus Bourg St. Andéol - an der Ardèche! Organic! An der Rhone gegenüber von Chateau Neuf du Pape oder auch Gigondas. Notiz zum Boden: "Parcelles d’argile ocre-jaune et parcelles d’argile blanche. Enherbement des vignes. Terroir Argilo Calcaire, sol et sous-sol argileux." Argilo-calcaire - clay and limestone. Der Begriff kam mir bekannt vor, aus dem St. Emilion.... Lehm und Kalkstein.

Auch die Rebsorten suchte ich, damals noch im alten Rebsorten Atlas, in Lexika und schließlich im Internet. Mal ehrlich, wer hat jemals von Bourbulenc gehört? Welchen genauen Anteil die einzelnen Rebsorten in dieser Assemblage haben, wussten wir allerdings nicht. Wahrscheinlich war auch Roussanne beteiligt. Die Pommiers haben die Prozente nicht aufs Etikett geschrieben. Die richtige Zusammensetzung der Rebsorten zu finden, der Cuvée an sich, ist meiner Ansicht nach DIE Kunst des Winzers! Jedes Jahr muss neu variiert werden, je nach Ausprägung des Jahrganges, Reife und Geschmack. (Die Handschrift des Winzers, oder auch die des Kellermeisters, ist für mich ein noch viel wichtiger Teil des "Terroir-Begriffs", der sich jetzt anscheinend nur noch auf den Gesteinsuntergrund, z.B. 'Granit' oder 'Kalkstein', beschränkt?).

Nun aber weiter recherchieren:
"Die Bourboulenc ist eine alte, relativ selten angebaute Rebsorte in Südfrankreich. Außer im Terroir La Clape wird sie selten in hohen Anteilen eingesetzt, aufgrund ihrer guten Säure schätzt man sie in der Provence und an der südlichen Rhône. Da sie Fäulnisanfällig ist und schlecht reift, bereitet sie in schwierigen Jahrgängen oftmals Sorgen.
Die Marsanne hat die empfindlichere Roussanne an der nördlichen Rhône teilweise verdrängt. Da sie zwar einen mächtigen Körper bildet, aber meist zu flachen Weinen führt wird sie meist mit der floralen Roussanne verschnitten. Im Languedoc ist sie auch öfters Verschnittpartner von Viognier und Rolle, zwei ebenfalls fruchtbetonte Sorten, denen die Marsanne den nötigen Körper vermitteln kann. Die meisten Weine aus der Marsanne sind nicht sehr lange haltbar.
Clairette, sie ist in Südfrankreich weit verbreitet und neigt zu alkoholstarken, oxidationsanfälligen Weinen. Sie gibt dort ganzen Appellationen für Schaumwein wie beispielsweise Clairette de Die ihren Namen. Meist wird sie mit Ugni Blanc verschnitten, da diese die notwendige Säure als Gegengewicht mit einbringt.
Ugni-Blanc, diese Rebsorte ist die in Frankreich am häufigsten angebaute Weißweinrebe. Man findet ihren Namen nur selten auf einem Etikett, ihr Wein speist aber die Destillen von Cognac und Armagnac. In Südfrankreich wird sie oft als Verschnittanteil im Weißwein eingesetzt.


Viognier die große unbekannte Rebe der nördlichen Rhône feiert momentan ihren Siegeszug im Languedoc. Ihre Weine sind sehr floral mit Düften nach Aprikose, Pfirsich, Blumen und exotischen Früchten. Im Midi neigen die Weine meist breit, flach und schwer zu wirken, und müssen in ihrer frühesten Jugend getrunken werden, bevor die floralen Aromen abflachen. Quelle: http://www.midi-wein.de/Reben/reben.html

Das klingt nach einer schwierigen Assemblage aus empfindlichen Sorten. Diese zickigen Rebsorten richtig zu kombinieren, das verlangt viel Erfahrung, so klingt es. Doch, da das Jahr 2003 auch in Südfrankreich im Sommer von Hitze und Trockenheit geprägt war, war Fäulnis sicherlich kein Thema, eher eine niedrige Säure. Das erklärt, warum die Rebsorten Bourbulenc und vermutlich auch Ugni-Blanc eingesetzt wurden.

Das Thema "Vin blanc" aus dem Süden begann mich immer mehr zu interessieren. Kräutrige Noten, florale Aromen, nicht so einfach aber laang. Das klang nach interessanten Weinen, die gut zu unseren Wildkräuterseminaren passten. Und so bin ich auf weitere Weine aus dem Languedoc gestossen. Bodenständige Weine. Kein Grand Cru Kram, denn er sollte zum Wildkräutermenü passen. Einen dieser Weine - diesmal keine Assemblage, sondern allein aus der Rebsorte Viognier bestehend - möchte ich im Wiesegenuss-Blog zur Weinrallye hier aktuell vorstellen:


Blanc de Fées, Vin de pays d'Oc, 2008


Flasche auf. Burgunder Glas (=Absicht). Einschenken. Erster Eindruck: Gibt es die Farbe goldgrüngelb? Passend zum Farbeindruck - in der Nase - erster Eindruck: Zitronen...Schalen. (Mir fällt dazu spontan das Zitronenolivenöl ein, bei dem die Schalen mitgepresst wurden, und das ich kürzlich zum Büffelmozzarella hier in posterous beschrieben habe). Starke Säure. Für mich genau richtig. Im Abgang kommt gerade so ne kleine Vanillenote durch. Hmm, und jetzt wirds schwierig, da riecht mal wieder die Nase mehr, als das Gehirn beschreiben kann..... Okay, Bananen...Schalen. Grün. Junge Bananen. Und eine Weile später, endlich, da haben wir sie: die grasigen, floralen Noten - plus Anis. Da ist  etwas ätherisches, vielleicht von den mediterranen Kräutern, die im Weinberg wachsen. Aromen, die in der Aussenhaut der Beeren gespeichert sind? Aromen, die ich vermisst habe. Im Moment ist man ja nur noch von Frucht, Frucht, Frucht umgeben. Jetzt werden auch aus dem Sauvignon Blanc - dieser wunderbaren Rebsorte mit so unglaublich vielen Aspekten, siehe Loire - auch nur noch Stachelbeer-Melonenbomben gewonnen. Wo ist die Katzenpisse? Im Keller wegdesinfiziert wie der durchgerittene Damensattel? Wo bleiben die vegetativen Noten? Von Minze bis Artischocke, oder vielleicht auch mal grüne Bohne? Heu und schwarzer Tee findet man fast nur noch auf dem Aromenrad. Gibt es nix interessantes mehr, nur noch Mainstream? Hoffentlich widerspricht mir jemand...... Okay, ein anderes Thema - zurück nach Occitanien und zum kleinen grünen Blanc de Fées.

Der Kleine hat Potential! 13 Volumenprozent, geht ja noch. Und nun probieren wir ihn doch gleich noch zur Büffelmozzarella mit Zitronenolivenöl und Basilikum.... Matches! Passt! Lecker. Kommt durch. Eindeutig.
Übrigens, wen die grasigen Noten stören und wer Geduld hat, der sollte ihn noch eine Weile lagern, so spricht der Winzer. Dieser Viognier kann durchaus 2 bis 3 Jahre reifen. Nach einer möglichen Abflachung entwickelt er erst dann wunderbare Sekundäraromen.

Nun noch ein paar Daten:
Ein Ökowein nach EU-VO. "Agriculture Biologique" Als Vin de pays d'Oc bezeichnet, die Weinberge liegen im L'Herault, nördlich von Agde. 13,0% Vol. e 750 ml. Der Wein hat ein absolut geniales Preis und Genussverhältnis, denn er kostet nur so um die 5 Euro! Zu beziehen direkt bei der "Domaine du Midi" - in Deutschland bei Fritz Croissant in Venningen.  http://www.schlafgut-croissant.de/impressum.html







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